Es liegt in der „Natur der Digitalisierung“, dass Unternehmen auch zukünftig eine prägende Rolle spielen – oder besser ausfüllen – werden. Das Bewusstsein für diese Aufgaben ist in Unternehmen aber auch bei ihren Anspruchsgruppen gewachsen. Die rasant steigende Zahl von wissenschaftlichen Arbeiten, Lehrstuhlgründungen und Fachtagungen ist dafür ein guter Indikator. Denn Wissenschaft will ja eben Wissen schaffen für die Themen, die gesellschaftlich noch nicht verhandelt sind.

Flankierend zum wachsenden Diskurs über Modelle und (Aus-)Gestaltungsprozess in der Wissenschaft konnten wir eine rasch zunehmende Zahl von Unternehmen – sprechen wir ruhig noch von CDR-Pionieren – dabei beobachten, ihren ganz individuellen CDR-Weg zu finden. Viele gewährten uns in Gesprächen vertiefende Einblicke und wir hoffen unsere Artikel haben, so wie wir es uns vorgenommen haben, dazu beigetragen, Erfahrungen zu teilen und damit anderen Unternehmen Anregungen zu geben.

Beide Entwicklungen münden – begleitet durch sehr begrüßenswerte Verbandsaktivitäten – wie erwartet in erste Deutungsangebote der CDR-Modelle. Diese Modelle ringen noch um ihre Stabilität, zu gering ist derzeit die empirische Basis der Erfahrungen und zu kurz die Beobachtungszeit. In von uns mitinitiierten ExpertInnengesprächen haben wir Modelle dazu kontrastiert und erlebt, dass alle dafür offen sind, die entstehenden Modelle kontinuierlich weiterzuentwickeln. Es wäre wünschenswert, wenn diese Offenheit der Ideen noch andauert und das Bessere das Gute ersetzen kann. Eine frühzeitige Standardisierung – und wir sprechen je nach Zählweise erst von vier bis fünf Jahren eines CDR-Dialogs – gäbe zwar Klarheit, aber würde wahrscheinlich auch Entwicklungen erdrücken.

 

Bei so vielen begrüßenswerten Entwicklungen gibt es aber auch Schatten. Erste Tendenzen zu window-dressing/purpose-washing sind erkennbar, wenn CDR zum unternehmerischen Thema erklärt, aber nicht substanziell in Prozessen verankert und mit Ressourcen ausgestattet wird. Noch sind das allgemeine Wissen und Verständnis auf Seiten der Stakeholder nicht ausgeprägt genug, diese Tendenzen zu dechiffrieren und durch Offenlegung und (Konsum-)Verhalten zu sanktionieren. Der Gedanke einer „hybriden CDR“ – eine Mischung aus Freiwilligkeit und nachprüfbarer Verpflichtung – steht im Raum und könnte ein Beitrag sein, CDR ernsthaft in die gewachsene Corporate Responsibility zu integrieren.

Es ist erfreulich zu sehen, dass das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz die CDR-Initiative nicht nur fortgesetzt, sondern neu belebt hat. Noch wünschenswerter wäre es, wenn andere Ministerien sich verstärkt einbringen würden. Wir werden im zweiten Jahr eine erneute Bestandsaufnahme auf Bundes- und Landesebene machen und genau beobachten, ob und wie eine neue Bundesregierung diesen Teilaspekt der Digitalisierung aufgreift.

Ludwig Wittgenstein hat geschrieben: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ In diesem Sinne können wir nach einem Jahr festhalten, dass die Eloquenz zur CDR enorm an Qualität und Differenziertheit gewonnen hat. Insbesondere eine kleine, gut vernetzte und inzwischen auch verstärkt europäische CDR-Community führt inzwischen ExpertInnendialoge, die gleichermaßen wichtig für die thematische Entwicklung aber auch die Anschlussfähigkeit von insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen und auch Start-ups darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Wir werden daher verstärkt die ersten Ansätze der IHKs und anderer Institutionen beobachten, denen eine wichtige Kompetenzvermittler- und Übersetzerrolle zukommt. Auch wir stehen als Partner aller Unternehmen gern bereit, um über die besonderen Heraus- und Anforderungen des Mittelstands und in Start-up zu berichten und sie in den CDR-Dialog einzubinden.

Wollen wir nach einem Jahr weitermachen? Auf jeden Fall! Denn die CDR entwächst gerade erst ihren Kinderschuhen und lernt zu laufen.

Für den zahlreichen Zuspruch, die offen Gespräche und die Unterstützung im ersten Jahr möchte ich mich auch im Namen von Dr. Marie Blachetta bedanken. Ihr gilt auch mein ganz persönlicher Dank. Ohne ihr Engagement wäre mir die Wahrnehmung der Herausgeberrolle in einem unternehmerisch schweren Jahr nicht möglich gewesen. Großer Dank gebührt auch dem gesamten Team der D21-Geschäftsstelle und insbesondere Lena-Sophie Müller. Unersetzbar war unser Austausch mit dem Team um Birgit Riess bei der Bertelsmann Stiftung – ihre langjährige CSR-Expertise gab immer wieder Orientierung und die Arbeit der Stiftung Impulse für neue Perspektiven.

Für die Zukunft würde ich mich – und jetzt spreche ich vor allem als Vorstand der Initiative D21 – freuen, wenn wir neue „Ermöglicher“ als Unterstützer gewinnen. Wir haben dieses Online-Magazin mit viel Engagement gestemmt und gezeigt, dass es viel zu berichten gibt. Wir konnten aber bei weitem nicht jeder „Story“ nachgehen. Es gibt also noch viel zu sagen, zu schreiben und zu zeigen.

 

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