„Der Begriff digitale Ethik und Verantwortung ist gerade auf Unternehmensseite schwer greifbar und wir glauben, wir brauchen mehr Austausch“, eröffnet Thomas Northoff von der Deloitte-Stiftung den gemeinsamen Themenabend mit der Initiative D21 im Rahmen der aktuellen Digital Future Challenge. Unter der Moderation von Milena Stolz, Mitglied des Siegerteams der letztjährigen Digital Future Challenge, diskutierten Staatssekretär Prof. Dr. Christian Kastrop aus dem Bundesministerium für Justiz und den Verbraucherschutz, Sabine Frank (YouTube), Claudia von Bothmer (Telefónica) und Alexander Sängerlaub (futur eins) zu „Solidarität im Netz“.  In einem Speed-Dating-Format wurden unter anderem Fragen zu einer breitenwirksamen Medienkompetenz in der Gesellschaft diskutiert und in welchem Zusammenhang diese mit der Verantwortung von Unternehmen im digitalen Wandel steht. Es ging dabei nicht nur um die Verantwortung des konkreten, individuellen Geschäftsmodells, die etwa am Beispiel von Plattformunternehmen aufgezeigt wurde, sondern auch um die gesamt-gesellschaftliche Verantwortung.

Einig war sich die Gesprächsrunde unter anderem dabei, dass bei der Bekämpfung von Desinformation und Hetze im Netz eine umfassende gesellschaftliche Nachrichten- und Medienkompetenz von Nöten ist. Diese könne man beispielsweise durch die Vermittlung und thematische Verankerung an Schulen, Universitäten oder in der Erwachsenenbildung erreichen, schlägt Alexander Sängerlaub vor. Auch Telefónica setze mit seiner ‚Think Big‘-Initiative auf Breitenwirksamkeit, um möglichst viele Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen und dazu zu ermutigen, digitale Tools sinnvoll einzusetzen, berichtet Claudia von Bothmer (Head of Corporate Responsibility) zu den Aktivitäten des Unternehmens.

 

Digitale Verantwortung von Unternehmen im Netz

Doch welche eigenen Möglichkeiten haben Unternehmen, Medienkompetenz zu fördern und Desinformation zu unterbinden? Wer reguliert und entscheidet, welche Inhalte kritisch und gefährlich sind? Laut Sabine Frank, die als Head of Governmental Affaires and Public Policy YouTube DACH ein Plattformunternehmen vertritt, verdeutlichen diese Fragen das Spannungsfeld unternehmerischer Freiheit: „Viele der Inhalte, über die wir beim Thema Solidarität im Netz sprechen, sind gar nicht strafrechtlich relevant.“ Es sei daher wichtig, als Unternehmen eigene Hausregeln aufzustellen, um die gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. YouTube aktualisiere daher stetig die Community-Regeln und stehe dabei im Austausch mit zivilgesellschaftlichen und politischen Organisationen, um den sich fortlaufend entwickelnden Erkenntnis- und Informationsstand zu berücksichtigen. Staatsekretär Kastrop warf ebenfalls die Frage auf, inwiefern Unternehmen im Rahmen ihrer freiwilligen Selbstkontrolle dazu bereit sind, digitale soziale Verantwortung auszuüben. Gesetzliche Regulierungen, wie beispielsweise KI-Richtlinien, würden derzeit erarbeitet, um sich der digitalen Verantwortung von Unternehmen zu nähern und einen äußeren Rahmen zu bieten.

Alexander Sängerlaub, Publizist und Kommunikationswissenschaftler, äußerte in der Diskussion die dringende Notwendigkeit, eine noch schärfere Unterscheidung zwischen kritischen und nicht-kritischen Inhalten vorzunehmen. Wichtig sei es ebenfalls, verifizierte Informationen im Vordergrund zu platzieren, um Desinformationen somit weniger Raum zu bieten.

 

Publikumsfragen zur gesellschaftlichen Rolle im Kontext der Digitalisierung

Die digitale Verantwortung, etwa durch Vermittlung von Medienkompetenzen, ist aber losgelöst von dem Geschäftsmodell, so Claudia von Bothmer auf die Frage aus dem Publikum, wie Unternehmen mit dem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Verantwortlichkeit umgehen. Telefónica sei kein Plattformbetreiber, biete aber die Infrastruktur zur Vernetzung von Menschen an. Daher sieht sie auch Telefónica in der Rolle, die Nutzung dieser Infrastruktur durch Kompetenzaufbau zu ermöglichen – etwa bei der älteren Generation. Unternehmensverantwortung liege im spezifischen Kontext der Unternehmen.

Auf die Frage, wie nun KonsumentInnen dazu gebracht werden können, sich aktiv in den digitalen Raum einzubringen und mehr Macht auszuüben, entgegnete Prof. Dr. Kastrop, dass Interesse auf NutzerInnen-Seite zunächst einmal vorhanden sein muss. Es sei eine wichtige Aufgabe der Zivilgesellschaft, mehr Verantwortung zu übernehmen: „Der digitale Raum funktioniert nur, wenn Akzeptanz und Vertrauen besteht“. Es sei daher auch ein wichtiges Zusammenspiel der Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik, es gemeinsam anzugehen.

 

 

 

 

Informationen zur Digital Future Challenge

Die Digital Future Challenge ruft bundesweit Studierende dazu auf, die Corporate Digital Responsibility von Unternehmen genauer zu betrachten und mit eigenen Ideen, den digitalen Raum zu gestalten. Als gemeinsames Projekt der Deloitte-Stiftung und Initiative D21 und unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz Christine Lambrecht geht die Challenge in diesem Jahr in die zweite Runde. Die Teilnahme ist noch bis zum 31. Mai 2021 möglich. Mehr zu der Challenge hier.