Das Positionspapier erinnert gleich einleitend daran, dass das Dilemma im Umgang mit den erwünschten und unerwünschten Folgen der Digitalisierung nicht neu, sondern bereits 1980 in dem nach David Collingridge benannten Collingridge-Dilemma beschrieben wurde, das bei Wikipedia folgendermaßen kurz zusammengefasst ist: Die Aussichten auf sicheres Folgenwissen werden umso besser, je weiter entwickelt die Technik ist, je besser die Produktionsbedingungen, Nutzungskontexte und Entsorgungsverfahren bekannt sind. Allerdings besteht dann keine Möglichkeit mehr, die Technik oder die Technikfolgen gestaltend zu beeinflussen, denn dann ist die Entwicklung bereits abgeschlossen oder wenigstens so weit fortgeschritten, dass aus ökonomischen Gründen ein Umsteuern kaum noch oder nicht mehr möglich ist.

Die Autoren Dr. Frank Esselmann, Dominik Golle, Dr. Christian Thiel, Prof. Dr. Dr. Alexander Brink leiten aus diesem Dilemma die wachsende Bedeutung bzw. das Bewusstsein für eine/r normativen Haltung und damit den steigenden Anspruch an eine moderne Ethik ab.

Vor dem Hintergrund dieses Leitgedankens erläutern sie dann die Genese der Corporate Digital Responsibility, ihr eigenes 2016 entwickeltes Verständnis von sechs CDR-Funktionen und fassen die acht Kernergebnisse der CDR-Studie 2019 zusammen.

Anknüpfend an ihr abschließendes Fazit „Es herrscht eine starke Unsicherheit und Orientierungslosigkeit bei der Implementierung der CDR, insbesondere eine Unsicherheit, wie sich die Chancen der Digitalisierung im Spannungsfeld unterschiedlicher Standpunkte und Interessen auch wirklich realisieren bzw. monetarisieren lassen.“ endet das Positionspapier mit konkreten Empfehlungen an Politik, Unternehmen und Gesellschaft:

  • für die erfolgreiche Entwicklung und Umsetzung einer CDR-Strategie sei vor allem eines wichtig: unternehmensinterne, bereichsübergreifende Austauschformate und Implementierungsprojekte.
  • Gesamtgesellschaftlich seien neutrale Orte des Austauschs, der Kooperation und Erprobung zwischen Wirtschaft, Politik und Verbraucherorganisationen von Nöten.
  • Nur so könnten etwaige staatliche Regulierung mit den Anforderungen der einzelnen Anspruchsgruppen harmonisiert und neue Wege der Selbstregulierung beschritten werden.
  • Gemeinsam mit Vorreiterunternehmen sollten best- oder good practices entwickelt und erprobt werden, um den Mangel an konkreten Vorschlägen für die Praxis zu kompensieren.
  • CDR-Maßnahmen sollten gegebenenfalls mit staatlicher Unterstützung in Vorreiterunternehmen eingeführt werden.
  • An der Ethik-Technik-Schnittstelle soll wissenschaftliche Begleitforschung helfen Schnittsellenprobleme offen zu legen und diese zu synchronisieren.
  • Neutrale Plattformen und Experimentierfelder sollen als geschützte Räume des Lernen und Dialogs dazu beitragen, den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbraucherorganisationen zu ermöglichen.