Telefónica Deutschland / O2 kann als einer der First Mover für digitale Unternehmensverantwortung in Deutschland bezeichnet werden, was sich nicht zuletzt auch dadurch zeigt, dass das Unternehmen eins der Mitglieder der CDR-Initiative des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) ist. Es zeigt sich aber auch daran, dass der Grad der schriftlichen, formalisierten Auseinandersetzung hoch ist und bereits etablierte Prozesse und Policies zur CDR existieren. Doch wie genau wird CDR bei Telefónica Deutschland / O2 verstanden?

CDR liegt ein menschenzentriertes Verständnis zugrunde. Valentina Daiber sagt dazu: „Wir nähern uns dem Thema aus dem Gedanken heraus, dass Technologie dem Menschen dienen muss und nicht umgekehrt. Der Mensch ist oberste ethische Instanz.“ Und so umfasst CDR fünf Kernthemen, die sich jeweils auf unterschiedliche interne und externe Akteursgruppen beziehen – und in ihren Aktivitäten einen hohen Bezug zum Kerngeschäft aufweisen: Digitale Inklusion, Datenschutz und Transparenz, Verantwortung übernehmen, nachhaltige Innovation, Leben in der digitalen Welt stärken (siehe Grafik).

Lizenz: Telefónica Deutschland/O2

CDR ist bei uns zunächst einmal ein Anspruch und eine Haltung. Wir wollen die Digitalisierung verantwortlich gestalten. Neben dem großen Thema Klima und Umweltschutz, bezieht sich CDR bei uns vor allem auf unsere Produkte und Services, MitarbeiterInnen und die Gesellschaft als Ganzes. Unsere Netze können einen herausragenden Beitrag dazu leisten, Klimaziele zu erreichen, soziale Teilhabe zu ermöglichen und den allgemeinen Wohlstand zu steigern. Schon heute nutzt jeder zweite in Deutschland unser Netz. Damit tragen wir auch eine besondere Verantwortung. Wir demokratisieren den Zugang zu einer nachhaltigen digitalen Zukunft.“

Darüber hinaus beschäftigen das Unternehmen Themen wie Compliance, Datenschutz, Sicherheit und regulatorische Themen, bei denen Telefónica Deutschland / O2 auch über das rechtlich Erforderliche hinausgeht. Ein Beispiel dafür sei etwa der Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI), für den unternehmenseigene KI Prinzipien entwickelt worden sind.

Über die rechtlichen Anforderungen hinaus geht auch der CDR-Kodex des BMJV, den Telefónica Deutschland im September 2021 gezeichnet hat und dessen Umsetzung zurzeit im Unternehmen erfolgt. Wie läuft dies ab? Der Prozess ähnelt unternehmensintern einem Audit-Verfahren: „Ein Teil des Kodex ist es ohnehin schon in unsere aktuelle Policy und die Prozesse integriert. Wir schauen uns jetzt mit den Fachabteilungen im Detail noch mal an, wo eventuelle Lücken sind und identifizieren Maßnahmen, um diese zu schließen“ so die Vorständin.

Die formalisierte Auseinandersetzung mit CDR, die für Externe sichtbar ist, findet insbesondere im Responsible Business Plan 2025 statt; dem zentralen Steuerungsinstrument des Nachhaltigkeitsengagements von Telefónica Deutschland / O2. Im Rahmen des 5-Jahres-Plans ergreift das Unternehmen konkrete Maßnahmen, um spätestens 2025 mit seinem Netz netto CO2 neutral zu sein, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit zu stärken und allen Generationen die sichere Teilhabe am digitalen Leben zu ermöglichen. Der Plan beinhaltet insgesamt 76 Nachhaltigkeitsziele, die teils mit bonusrelevanten quantitativen und teils mit qualitativen Zielen hinterlegt werden.

 

Digitalisierung & Nachhaltigkeit werden zusammen gedacht

Die Dynamik beider Felder bedingt auf der einen Seite die Notwendigkeit in nicht zu langfristigen Zeithorizonten zu denken, auf der anderen Seite hängen die beiden Themen aufgrund des Kerngeschäfts zusammen: Man sei sich der eigenen Rolle und der Notwendigkeit für Emissionseinsparungen bewusst: „Studien weisen eindeutig darauf hin, dass durch die Digitalisierung Emissionseinsparungen unterstützt werden können, die zur Erreichung des 2030 Klimaziels notwendig sind. Und ja, dabei spielt die Telekommunikationsbranche, unsere Branche, eine herausragende Rolle. Ohne Digitalisierung sind die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Deutschland nicht zu schaffen“. Auch daher ist die enge Verzahnung der digitalen und ökologischen Verantwortung im Telekommunikationsunternehmen auffällig präsent im Responsible Business Plan. Hier wird deutlich, dass das Unternehmen strategische Ziele aus der Unternehmensverantwortung ableitet, z.B. als Top-Arbeitgeber zu gelten, in dem die digitale Arbeitswelt vorangetrieben wird.

 

Lizenz: Telefónica Deutschland/O2

Die Mitarbeitenden seien intern auch Treiber der Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsaktivitäten. Die Unterstützung durch die Belegschaft steigt, es gibt viel Feedback und den Willen, auch persönlich Beiträge zu leisten. Diese Entwicklung führe auch zu der Vision von Valentina Daiber wie der Status zu CDR 2025 aussieht, wenn die nächste Reflektion des Responsible Business Plans ansteht: Die Themen der Unternehmensverantwortung für Nachhaltigkeit und Digitalisierung sollen noch weiter mit dem Kerngeschäft verschmelzen. Dies hätte zur Folge, dass es mittel- bis langfristig weder eine CDR-Abteilung noch Responsible Business Plans geben müsse. Policies und Richtlinien wären dann Vergangenheit – es sei vielmehr CDR-by-DNA. Diese internen Anstrengungen sieht Valentina Daiber aber eingebettet in das Zusammenspiel vieler Akteure, die bei der Gestaltung der CDR und einer verantwortungsbewussten Digitalisierung mitwirken müssten.

 

CDR als gemeinsame Anstrengung

Um eine verantwortungsvolle Digitalisierung zu erreichen, sei klar: „Das schafft niemand alleine. Das schafft die Politik nicht alleine. Das schafft die Gesellschaft nicht alleine. Das schaffen die Unternehmen nicht alleine. Da müssen wir alle an einem Strang ziehen.“ Daher sei die CDR-Initiative als gemeinsame Allianz gut geeignet, so Valentina Daiber, und hofft auf eine Multiplikator-Wirkung durch die ersten gemeinsamen Unterzeichner des Kodizes. Aber sie sieht auch Handlungsbedarf für die Zukunft, um es als breites gesellschaftliches Bündnis voranzubringen: Ansatzpunkt sei dabei zum einen weitere Stakeholder zu integrieren. Neben Unternehmen und Politik brauche es mehr Vielfalt in der CDR-Initiative. Den Austausch mit VerbraucherInnen zur Diskursschärfung sieht die Telefónica-Vorständin dabei als zentrales Element: „Letztlich soll CDR ja unseren Kundinnen und Kunden zugutekommen. Da würde ich mir wünschen, dass man stärker in den Austausch geht mit VerbraucherInnen und bestimmte Themen testet, diskutiert und Bedürfnisse abfragt. Das sollte die Grundlage für eine Weiterentwicklung sein“. Ein zweiter Ansatzpunkt sei es, die Idee der CDR-Initiative in weitere europäische Länder zu tragen.

Das Ziel einer verantwortungsvollen Digitalisierung wird derzeit häufig noch national, teilweise europäisch gedacht. Die globale Anschlussfähigkeit sieht Valentina Daiber vor allem darin, dass Telefónica Deutschland / O2 sich bei den CDR-Aktivitäten eng am Kerngeschäft orientiert. Daher handele das Unternehmen auch in anderen Regionen der Welt sehr ähnlich im CDR-Kontext. Perspektivisch können auch (regulatorische) Standards ein Weg sein, das Thema voranzubringen – als Richtschnur und für Orientierung sind formalisierte Wege und best practice Beispiele dafür ein guter Grundstein.

 

 

Valentina Daiber wurde mit Wirkung zum 1. August 2017 zum Vorstand Recht & Corporate Affairs der Telefónica Deutschland bestellt. In dieser Funktion verantwortet sie die Bereiche Recht, Compliance, Corporate Security und Datenschutz, sowie die Regulierungsarbeit des Unternehmens, die Beziehungen zu Behörden und Regierungsstellen und den Bereich Corporate Responsibility. Zudem führt sie die Hauptstadtrepräsentanz von Telefónica und das BASECAMP in Berlin. Zuvor war die Juristin Director Corporate Affairs bei Telefónica Germany und für die Rechtsbereiche Regulierungsrecht, Kartellrecht, Telekommunikationsrecht und Medienrecht sowie die Zusammenarbeit mit politischen Gremien und Verbänden zuständig. Zu Telefónica in Deutschland – damals noch Viag Interkom – kam Valentina Daiber 1999, wo sie zunächst als Referentin im Bereich Regulierung startete. Seit 2004 war sie in verschiedenen Führungspositionen im Konzern tätig. Vor ihrer Karriere bei Telefónica arbeitete Valentina Daiber am Institut für Europäisches Medienrecht in Saarbrücken sowie für die damalige Landeszentrale für private Rundfunkveranstalter in Ludwigshafen. (Foto: Telefónica Deutschland)

 

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